Adlershof kennt keine Krise

Wie Berlin Adlershof zu einem der größten Wissenschaftsparks Deutschlands, zu einem der erfolgreichsten Hochtechnologieparks Europas und mit Unterstützung des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) das erfolgreichste Aufbauprojekt in den neuen Bundesländern wurde.

Eine eigene Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien: Berlin Johannisthal/Adlershof mit 14.000 Beschäftigten in 800 Unternehmen und großem Wachstumspotenzial (Luftbild: Wista MG)
Eine eigene Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien: Berlin Johannisthal/Adlershof mit 14.000 Beschäftigten in 800 Unternehmen und großem Wachstumspotenzial (Luftbild: Wista MG)

Wie Berlin Adlershof zu einem der größten Wissenschaftsparks Deutschlands, zu einem der erfolgreichsten Hochtechnologieparks Europas und mit Unterstützung des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) das erfolgreichste Aufbauprojekt in den neuen Bundesländern wurde.

Berlin Adlershof hat sich seit der Wende zu einem der größten Wissenschafts- und Technologieparks in Deutschland entwickelt und gilt als Vorzeigewirtschaftsstandort der Hauptstadt. Über 800 Unternehmen und Wissenschaftsinstitute haben sich hier angesiedelt, die über 14.000 Menschen beschäftigen. Studenten besuchen die in Adlershof ansässig gewordenen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität.

Im Laufe von zwanzig Jahren hat sich hier eine professionelle Infrastruktur entwickelt. War Adlershof früher noch Grenzregion mit direktem Blick auf Zäune, Schranken und Mauern, ist es heute ein Standort mit überregionaler Bedeutung und positiver Beschäftigungsbilanz.

Doch wie kam es dazu? Wie konnten trotz konjunktureller Schwierigkeiten Ostdeutschlands, drohender Massenarbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Engpässe ein solch florierender Wirtschaftsstandort und das ökonomisch erfolgreichste Aufbauprojekt in den neuen Bundesländern entstehen?

Flugplatz, Wachregiment, DDR-Fernsehen

Um die beeindruckende Entwicklung Adlershofs nachvollziehen zu können, muss man geschichtlich einige Jahrzehnte zurückgehen. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich hier ein Flugplatz, von dem die ersten Motorflugzeuge starteten. Nur wenige Jahre später entstand das Zentrum der Deutschen Luftfahrtforschung. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden sowohl der Flugplatz als auch das Forschungszentrum demontiert.

An deren Stelle stationierte die Staatsführung der DDR Teile des 12.000 Mann starken Wachregiments der Staatssicherheit "Felix Dzierzynski", siedelte zahlreiche Institute der Akademie der Wissenschaften an, und auch das DDR-Fernsehen nahm hier ab 1952 seinen Sendebetrieb auf.

Diese drei Einrichtungen prägten das Geschehen in Adlershof. Noch im Jahr 1989 waren 5.500 Menschen in der Akademie und etwa 2.500 beim Staatsfernsehen beschäftigt; mit den noch hier stationierten 4.000 Soldaten verdienten hier etwa 12.000 Menschen ihren Lebensunterhalt.

Aufschwung nach der Wende

Nach der Wende stand Adlershof erneut vor der Existenzfrage. "Plötzlich stand alles zur Disposition und die Gefahr bestand, dass hier vieles verwahrlost", erzählt Peter Strunk, Bereichsleiter Kommunikation, bei der WISTA-MANAGEMENT GMBH – Betreibergesellschaft des heutigen Wissenschafts- und Technologieparks Adlershof.

Das Wachregiment wurde aufgelöst, auch das Staatsfernsehen und die Akademie standen vor dem Aus. Adlershof drohte in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Um dieses zu verhindern, rief das Land Berlin 1991 die Entwicklungsgesellschaft Adlershof mbH ins Leben, aus der 1994 die WISTA-MANAGEMENT GMBH hervorging.

Ziel der Entwicklungsgesellschaft war es, einen Technologiepark zu errichten, in dem innovativen Unternehmen vorausgestattete Räumlichkeiten, Büros, Labors, kostspielige Lüftungstechnik etc. zur Verfügung gestellt werden.

Besonders kleinen Unternehmen – die Durchschnittsgröße der in Adlershof ansässigen Firmen liegt heute bei 12 Mitarbeitern – sollte die Möglichkeit gegeben werden, ohne große Finanzierungssorgen gleich mit der Produktion oder Entwicklung loszulegen.

Diverse Gründerzentren

So entstanden mit der Zeit neben dem Innovations- und GründerZentrum (IGZ), dem Internationalen Gründerzentrum (OWZ), Technologiezentren für Bio- und Energietechnologie, für Material- und Mikrosystemtechnologie, für Photonik und Optische Technologien, für Informations- und Medientechnologie. 

Bau der Technologiezentren mit EFRE-Hilfe

Seit 1991 sind etwa 1,7 Milliarden Euro aus unterschiedlichsten Quellen in Adlershof investiert worden. EFRE-Mittel wurden in großem Umfang – als Kofinanzierung für GA-Infrastrukturmittel – vor allem für den Bau der Technologiezentren eingesetzt.

Aber auch die hier entstandene Infrastruktur, die Sanierung des Wärmenetzes, der Ausbau der Telekommunikation und der Abriss überflüssig gewordener Gebäude sind zu einem großen Teil aus EFRE-Mitteln finanziert worden.

Viele Unternehmen konnten sich – nicht zuletzt aufgrund europäischer Förderungen – hier verwirklichen, Netzwerke aufbauen und Synergien schaffen. "Die erste Generation unserer Unternehmer kam aus der Akademie – und das sind mittlerweile die erfolgreichsten", schwärmt Strunk.

So zum Beispiel Christine Wedler: Sie wurde als Wissenschaftlerin der Akademie entlassen, schlug sich mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen herum, um sich schließlich mit der Unterstützung von EU und WISTA selbstständig zu machen. Heute ist sie Chefin der erfolgreichen Adlershofer ASCA GmbH (Angewandte Synthesechemie Adlershof) und wurde 2006 sogar als Berliner Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet.

Starkes Wachstum erwartet

Die Erfolgsgeschichte Adlershof ist noch lange nicht zu Ende. Der Finanzchef von WISTA, Gerald Bielfeldt, und PR-Profi Peter Strunk sind sich sicher, dass Adlershof noch ein großes Wachstumspotenzial hat.

"Wenn wir die Wachstumsrate der vergangenen Jahre zugrunde legen, dann haben wir das Zeug dazu, uns in den nächsten zehn Jahren zu verdoppeln. Adlershof könnte statt heute 14.000 dann bis zu 28.000 Arbeitsplätze bieten; statt 814 hätten wir hier dann 1.600 kleinere Unternehmen. Die Prognose wird sein, dass wir ein bedeutender und klassischer Industriestandort sein werden", sagt Strunk.

"Wir werden in nennenswertem Umfang künftig ein Produktionsstandort sein, wo Hightech-Firmen in großem Stil produzieren", ergänzt Bielfeldt.

Anschub durch neuen BBI-Flughafen

Auch vom benachbarten neuen internationalen Flughafen "Berlin Brandenburg International" (BBI, derzeit noch „Schönefeld“) erwarten sie einen zusätzlichen Anschub für Adlershof und die Ansiedlung weiterer Unternehmen.

Unter der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise hat der Standort Adlershof bisher wenig zu leiden. Viele der Unternehmen in Adlershof haben sich auf Nischen spezialisiert, sind in der Medizintechnik aktiv oder in der Entwicklung innovativer Technologien. Teilweise gibt es hier Firmen, die vom Namen her niemand kennt, die jedoch auf einem speziellen Gebiet Weltmarktführer sind.

Von der Krise nichts zu spüren

"Die spüren fast nichts von der Krise", erklärt Bielfeldt. "Außerdem sind Technologieparks nicht angelegt worden, um als erste in der Krise umzufallen – wenn überhaupt, fallen wir als Letzte", betont Strunk.

Zwar erwarten die beiden in der kommenden Zeit auch in Adlershof einen scharfen Wind für Unternehmen und wagen noch keine endgültige Prognose, jedoch zweifeln sie nicht am weiteren Wachstum. Wichtig sei, "dass die europäischen Förderungen durch den EFRE in der bewährten Form weiterlaufen wie bisher. Denn das ist ein Instrument, welches greift, verlässlich ist und weiter gebraucht wird“.    

Patrick Schneider („Punkt – Das Magazin aus Berlin über die Europäischen Strukturfonds“)

Hintergrund:

Förderung aus GA-Mitteln (inkl. EFRE-Anteil) in Adlershof

Aktuelle Förderperiode:

Zentrum für Fotovoltaik: 23,4 Mio. Euro GA-Förderung (EFRE-Anteil: 13 Mio.)

Zentrum für neue Materialien und Mikrosysteme: 18,7 Mio. GA-Förderung (EFRE-Anteil: 10,4 Mio.)

Zentrum für Informations- und Medientechnologie: 6,7 Mio. GA-Förderung (EFRE-Anteil: 3,7 Mio.)

In Berlin Adlershof, der Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, konzentriert die Hauptstadt ihre Wissenschafts- und Technologiekompetenz – eine Grundlage für das künftige Wirtschaftswachstum von Berlin. Mit zweistelligen Wachstumszahlen in Folge zählt Adlershof heute zu einem der erfolgreichsten Hochtechnologieparks in Europa und gilt als Musterbeispiel für erfolgreiche Wirtschaftsförderung.

Ziel: Adlershof wird von einem breiten politischen Konsens getragen. 1993 beschloss der Senat, das ehemalige Gelände der Akademie der Wissenschaften der DDR und des Deutschen Fernsehfunks zusammen mit dem gesamten Umfeld zu einem Hochtechnologiestandort auszubauen. Das städtebauliche Leitbild sah vor, Adlershof zu einer integrierten Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Wohnen zu entwickeln. 1994 wurde der Entwicklungsbereich förmlich festgelegt.

Konzept: Ansiedlung von innovativen Technologie- und Medienunternehmen, von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sowie der mathematisch- naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität zu Berlin auf einem Campus mit städtischem Charakter. Zugleich sollten Wohnungen und öffentliche Infrastruktur entstehen.

Lage: Adlershof liegt im Südosten Berlins im Bezirk Treptow-Köpenick direkt an der A113 und damit mitten im Investitionskorridor vom Flughafen Richtung Innenstadt. Der Flughafen Schönefeld, der bis 2011 zum Großflughafen BBI ausgebaut wird, ist nur zehn Autominuten entfernt.

Profil: Forschungs- und Technologieschwerpunkte von Berlin Adlershof sind:

"*       Photonik und Optische Technologien

"*       Informations- und Medientechnologie

"*       Material- und Mikrosystemtechnologie

"*       Umwelt-, Bio- und Energietechnologie

Weiterer Link zum Thema Adlershof in EURACTIV.de:

Merkels Welt zur Wendezeit