Adaptive Impfstoffe können nicht mit neuen Varianten mithalten
Das Corona-Virus entwickle sich schneller, als es jemals möglich sein werde, Impfstoffe hieran anzupassen, sagte Marco Cavaleri, Leiter der Strategie für Gesundheitsbedrohungen und Impfstoffe bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), am Mittwoch (26. Oktober).
Das Corona-Virus entwickle sich schneller, als es jemals möglich sein werde, Impfstoffe hieran anzupassen, sagte Marco Cavaleri, Leiter der Strategie für Gesundheitsbedrohungen und Impfstoffe bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), am Mittwoch (26. Oktober).
Obwohl die EU bisher sechs Impfstoffe für die Erstimpfung, vier adaptive Impfstoffe und acht Therapeutika zugelassen hat, sei es unmöglich, das Aufkommen neuer Virusvariante rechtzeitig vorzubeugen, da sich das Virus ständig verändert, erklärte er.
Aus diesem Grund sei es am sinnvollsten, nicht ständig hinter den Varianten herzujagen, so Cavaleri.
„Wir sollten adaptive Impfstoffe nur dann in Erwägung ziehen, wenn der Unterschied zwischen den im Umlauf befindlichen Stämmen und der Zusammensetzung des Impfstoffs aus immunologischer Sicht erheblich wird“, sagte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz und betonte, dass dies bisher der Ansatz gewesen sei.
Derzeit wird eine andere Art von Impfstoff entwickelt – die sogenannten Pan-Coronavirus-Impfstoffe -, die gegen eine breite Palette von Varianten schützen sollen, was „einen sicheren Weg für die Zukunft darstellen könnte“, so Cavaleri.
„Wir sprechen mit all diesen Entwickler:innen, um zu sehen, was wir tun können, um die Entwicklung dieser Impfstoffe zu erleichtern und um zu verstehen, welche Art von Nachweisen ausreichend wäre, um eine mögliche Zulassung zu unterstützen“, sagte er.
Diese Impfstoffe befinden sich noch in der Frühphase. Das bedeute, dass es noch eine ganze Weile dauern könnte, bis sich herausfinden lasse, ob sie eine nützliche Alternative darstellen könnten.
„Das ist definitiv ein Bereich, an dem wir noch arbeiten müssen“, sagte Cavaleri.
Am Freitag berichtete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) über die Ausbreitung neuer Unter-Varianten der Omikron-Variante namens BQ.1, die zwar von der BA.5-Variante abstammt, aber in der Lage ist, gegen BA.5 gerichtete Antikörper zu umgehen.
Das ECDC geht davon aus, dass sich BQ.1 bis Mitte November oder Anfang Dezember 2022 durchsetzen könnte, wenn die neuen, angepassten mRNA-Corona-Impfstoffe in die Impfprogramme der EU-Länder aufgenommen werden. Dabei handelt es sich jedoch um bivalente Impfstoffe, die auf den ursprünglichen Corona-Stamm und die Omikron-Varianten BA.1, BA.4 und BA.5 abzielen.
Die jüngsten Zahlen des ECDC zeigen, dass die Zahl der Corona-Fälle in den letzten Wochen zugenommen hat, dass sich der Anstieg jedoch verlangsamt. Außerdem ist die Impfquote in vielen EU/EWR-Ländern bei den Zielgruppen weiterhin niedrig.
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Zukünftig dominante Variante unbekannt
Im Frühherbst war vorausgesagt worden, dass die BA.5-Omikron-Variante in den kälteren Monaten dominieren würde. Jetzt hat das ECDC klargestellt, dass es davon ausgehe, dass BQ.1 und seine Unter-Varianten – die alle von BA.5 abstammen – Anfang 2023 mehr als 80 Prozent aller Ansteckungen ausmachen werden.
Das ECDC schreibt, dass der Zuwachs bei BQ.1 „hauptsächlich durch Immun-Escape“ angetrieben werde. Das bedeutet, dass Schlüsselmutationen in der Rezeptor-Bindungsdomäne dieser neuen Unter-Varianten vorliegen, die es ihnen ermöglichen, Antikörpern zu entweichen.
Bisher liegen zu wenige Daten vor, um die genaue Art von BQ.1 in Bezug auf die Übertragung und den Schweregrad zu bestimmen, aber erste Anzeichen deuten darauf hin, dass sie kaum schlimmer als andere Omikron-Varianten sein könnte.
„Einige Vorabdrucke deuten darauf hin, dass sich die Infektion bis tief in die Lunge nicht von dem unterscheidet, was wir bei anderen Omikron-Varianten gesehen haben. Das ist möglicherweise ein gutes Signal, aber es muss natürlich bestätigt werden“, sagte Cavaleri.
„Gleichzeitig haben sie auch festgestellt, dass er möglicherweise eine höhere Immunevasion aufweist, was dazu führen könnte, dass er eher zu schweren Erkrankungen führt. Dies sind jedoch wirklich nur vorläufige Daten. Wir müssen also noch Daten vor Ort sammeln“, fügte er hinzu.
Cavaleri erwähnte, dass man auch eine weitere Corona-Subvariante namens XBB im Auge behalte, die sich in Asien ausbreite und auch einige europäische Länder erreicht habe.
In einer Pressekonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) letzte Woche sagte Maria van Kerkhove, technische Leiterin der WHO für Corona-Virus, derzeit würden mehr als 300 Unter-Varianten von Omikron weltweit verfolgt.
Aufgrund der rasanten Entwicklung neuer Omikron-Untervarianten und der Anzeichen dafür, dass einige von ihnen immunschwächend sind, forderte sie alle Länder auf, weiterhin auf der Hut zu sein, um einen Fallanstieg angemessen bewältigen zu können.
„Wir müssen wachsam bleiben“, sagte Kerkhove.
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[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]