Spanischer Rüstungskonzern Indra wirbt für stärkere Kooperation in Europa
Anstelle einer Führungsrolle einzelner Staaten oder Konzerne plädiert Indra-Chef José Vicente de los Mozos für Co-Leads – also geteilte Verantwortung und eine breitere industrielle Beteiligung.
Der spanische Rüstungskonzern Indra ist im Heimatmarkt eine feste Größe – auf der europäischen Bühne aber bislang kaum präsent. Das soll sich ändern. CEO José Vicente de los Mozos kündigte gegenüber Euractiv an, die neue EU-Förderkulisse und die gestiegene Nachfrage nach Anti-Drohnen-Technologie strategisch zu nutzen.
„Wir sind bereit für die europäische Ebene – das ist die Champions League“, sagte de los Mozos mit Verweis auf den wichtigsten europäischen Klubfußball-Wettbewerb. Ein aktuelles Beispiel für Indras Ambitionen ist die Zusammenarbeit mit Dassault Aviation und Airbus bei der Entwicklung des europäischen Kampfflugzeugs der sechsten Generation, Future Combat Air System (FCAS). Das Projekt ist derzeit ein Streitpunkt zwischen Frankreich, Deutschland und Spanien.
Bislang konzentrierte sich eines der größten spanischen Rüstungsunternehmen vor allem auf den heimischen Markt sowie auf Forschung und Entwicklung. Doch das Wachstumspotenzial in Spanien ist begrenzt.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hält an dem Versprechen fest, die Verteidigungsausgaben auf höchstens 2,1 Prozent des BIP zu begrenzen – deutlich unter dem 3,5-Prozent-Ziel der übrigen 31 NATO-Partner.
Im Oktober hat die Regierung Verteidigungskredite über 6,9 Milliarden Euro freigegeben. 96 Prozent davon flossen an Indra oder verbundene Unternehmen. Für die übrigen vier Prozent bleiben kaum Spielräume – der Blick richtet sich ins Ausland.
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Radar-Technologie als Wachstumstreiber
Im September haben russische Kampfjets und Drohnen das Thema Luft- und Drohnenabwehr auf die Agenda der EU-Spitzen katapultiert. Die Folge: europaweit großes Interesse an Indras Radar-Technologie.
De los Mozos sagte, dass der spanische Radarspezialist nun seine Strategie ändere – statt sich auf die Entwicklung von Prototypen zu konzentrieren, werde die Produktion hochgefahren.
Da er zuvor die Automobilproduktion von Renault in Spanien geleitet hatte, zog er einen Vergleich mit seiner früheren Branche. Damals konnte er zählen, wie viele Autos täglich die Fabriken verließen.
Das Verteidigungsgeschäft dauert länger, aber es ist an der Zeit, der Produktion Vorrang einzuräumen, sagte er. Zu diesem Zweck hat Indra seine Produktionskapazitäten in Spanien erweitert, darunter neue Fabriken in den Regionen Asturien und Andalusien.
Expansion in Europa
Indra setzt auf neue EU-Finanzierungsprogramme, um die Produktion und den Absatz europaweit auszubauen. Im Fokus steht das 150 Milliarden schwere SAFE-Verteidigungsdarlehensprogramm der EU.
Ein besonders attraktiver Markt ist Polen, das allein 45 Milliarden Euro SAFE-Mittel erhalten hat – mehr als jedes andere EU-Land. Weitere Zielmärkte sind Deutschland, das Vereinigte Königreich und Belgien.
Damit tritt Indra in Konkurrenz zu Herstellern wie Thales Group aus Frankreich oder Hensoldt aus Deutschland, die stark von ihren nationalen Regierungen gestützt werden.
Kooperation statt Fusion
EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius wirbt für mehr Konsolidierung in der Branche, um die Vielzahl unterschiedlicher Waffensysteme in Europa zu reduzieren.
Indra setzt hingegen auf Partnerschaften. „Wir sind sehr offen für Kooperationen und Technologietransfers in andere Länder“, betonte de los Mozos.
Zur Umsetzung der EU-Ziele, die Verteidigungsindustrie bis 2030 kriegsbereit zu machen, hat die Kommission vier Schlüsselvorhaben identifiziert: Die European Drone Defence Initiative – auch bekannt als „Drone Wall“ –, Eastern Flank Watch, European Air Shield und European Space Shield.
Diese Vorhaben seien „eine Möglichkeit, die Zukunft der europäischen Rüstungsindustrie zu strukturieren“, so de los Mozos. Anstelle einer Führungsrolle einzelner Staaten oder Konzerne plädiert er für Co-Leads – also geteilte Verantwortung und breitere industrielle Beteiligung.
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(jl)