Stichwort Realität: Ende April hat Kanzlerin Merkel im Bundestag erklärt, einige Politiker in Großbritannien würden sich der Illusion hingeben, dass Großbritannien auch nach dem Austritt aus der EU über die gleichen Rechte verfügen könne wie vorher. Sind nun inzwischen alle Verantwortlichen auf der Insel aufgewacht?
Nicht wenige Aussagen britischer Politiker waren dem Wahlkampf geschuldet. Diese Wahl ist jetzt gelaufen. Nun geht es an die Arbeit. Die Uhr für London tickt. Die Bundeskanzlerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass ein Land, das die Europäische Union verlassen will, nicht besser oder gleich gestellt werden kann als ein EU-Mitglied. Jetzt, nach der Wahl, scheint sich diese Einsicht auch auf den hinteren Bänken im Unterhaus durchzusetzen. Premierministerin May will – das war der Thronrede vom Mittwoch zu entnehmen – ein geordnetes Verfahren bei den Verhandlungen mit der EU anstreben.
May hat zuvor auch damit gedroht, dass es möglicherweise am Ende keine Vereinbarung geben könnte.
Die Aussage mancher britischen Politiker, dass es besser sei, am Ende gar keinen Deal mit den EU-27 zu haben, als eine schlechte Vereinbarung abzuschließen, halte ich für nicht nachvollziehbar. Denn dies wäre das schlechteste Szenario für alle Beteiligten. Wenn am Ende kein Abkommen zu Stande kommt, wäre dies jedoch besonders für die britische Seite sehr negativ. So fiele das Vereinigte Königreich ab dem 30. März 2019 im Handel mit der EU auf einen schlichten WTO-Status, wie ihn beispielsweise afrikanische Länder haben. Das kann nicht im Interesse der britischen Volkswirtschaft sein.