EU-Abgeordnete Stine Bosse: Bei Gesundheit zu kürzen war 'Unsinn'

Die dänische Europaabgeordnete Stine Bosse ist Vizepräsidentin des Gesundheitsausschusses im EU-Parlament. Euractiv hat mit der liberalen Politikerin über den neu aufgestellten Ausschuss, das geplante Gesetz für kritische Arzneimittel und das bevorstehende Pharmapaket gesprochen. 

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"Schauen Sie sich an, was ich politisch tue. Das kann nicht von einer einzigen politischen Gruppe im Parlament allein bewältigt werden", sagte Stine Bosse im Interview mit Euractiv. [EP Photographer: Laurie Dieffembacq]

Die dänische Europaabgeordnete Stine Bosse ist Vizepräsidentin des Gesundheitsausschusses im EU-Parlament. Euractiv hat mit der liberalen Politikerin über den neu aufgestellten Ausschuss, das geplante Gesetz für kritische Arzneimittel und das bevorstehende Pharmapaket gesprochen. 

Stine Bosse sitzt seit dem letzten Jahr als Abgeordnete im Europäischen Parlament. Sie gehört zur liberalen Fraktion Renew und ist Vizevorsitzende im Gesundheitsausschuss. Im Sommer ist sie aus Vorstand der norwegischen Bank DNB ausgeschieden, um einen möglichen Interessenkonflikt mit ihrer Rolle im Europäischen Parlament zu vermeiden.

Was folgt, ist ein bearbeitetes Transkript.

Euractiv: Was sind Ihre Prioritäten für dieses Mandat?

Bosse: Meine Hauptprioritäten liegen definitiv bei dem Gesetz über kritische Arzneimittel und dem Pharmapaket. Auch die Strategie für die Biowissenschaften ist für mich wichtig.

Wir müssen auch dafür sorgen, dass wir die Rechte an geistigem Eigentum angemessen verwalten und mehr für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit tun. All das muss zusammenkommen.

Auch über Finanzierung muss nachgedacht werden. Wenn wir es nicht schaffen, junge Innovatoren mit bahnbrechenden Ideen finanziell zu unterstützen, riskieren wir, sie an die USA zu verlieren – das dürfen wir nicht zulassen.

Und natürlich müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um die Pharmaindustrie zu unterstützen, denn sie ist auch eine bedeutende wirtschaftliche Stärke für Europa.

Sie sprechen über Finanzierung. Was können wir vom nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) – dem EU-Haushalt – erwarten?

Gesundheitsausgaben müssen zurück auf die Agenda, das hat oberste Priorität. Es wurde viel Geld aus dem Budget gestrichen, das habe ich nie verstanden. Es fühlte sich an, als ob die Brüsseler Blase glaubte, wir könnten Gesundheitsfragen einfach so behandeln, als wäre COVID-19 kein Thema mehr und man könnte einfach weitermachen. Das ist Unsinn.

Wenn Sie die europäischen Bürger fragen, dann zeigt sich, dass Gesundheit eines ihrer wichtigsten Anliegen ist.

Die zweite Priorität ist die Stärkung des Gesundheitssektors. Während seiner Anhörungen hat Haushaltskommissar Piotr Serafin gesagt, dass das, was wir gemeinsam tun, besser und kostengünstiger sein sollte. Das sollten wir tun.

Ich spreche nicht davon, nationale Zuständigkeiten auf die EU-Ebene zu verlagern. Aber wir sollten die Bereiche identifizieren, in denen eine Zusammenarbeit wirklich sinnvoll ist.

Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus hat Auswirkungen auf Dänemark, insbesondere mit Blick auf Grönland. Glauben Sie, dass Dänemark mit erfolgreichen Gesundheitsunternehmen wie Novo Nordisk von US-Zöllen betroffen sein wird?

Ich bin sicher, dass wir ins Visier genommen werden. Aber wir sollten keine Angst vor dem Mann haben. Wir müssen ihm direkt in die Augen sehen. Zölle würden uns alle ärmer machen. Wir dürfen natürlich nicht tatenlos bleiben und zusehen, dass sie sich vor uns auftürmen.

Das Pharmapaket wird in diesem Mandat eine zentrale Rolle spielen. Dänemark hat eine klare Position – vertreten Sie die dänische Sichtweise?

Dänemark legt großen Wert auf Anreize. Mir ist völlig bewusst, dass man entweder an Glaubwürdigkeit verliert, weil die Leute sagen: „Oh, sie ist zu eng [mit der Branche] verbunden“, oder dass man an Glaubwürdigkeit gewinnt, weil man tatsächlich weiß, wovon man spricht. Das ist mir klar, es zu leugnen wäre absurd.

Natürlich brauchen wir eine starke Pharmaindustrie auf europäischer Ebene. Andererseits muss eine starke Pharmaindustrie auch anerkennen – und ich denke, das tut sie –, dass sie europäischen Gesellschaften zugutekommen muss. Sie muss sicherstellen, dass der Zugang zu Medikamenten gewährleistet ist.

Renew Europe hat bei der letzten Wahl mehr als ein Viertel seiner Sitze im EU-Parlament verloren. Wie gehen Sie mit diesem Einflussverlust um?

Schauen Sie sich an, was ich politisch tue. Das kann nicht von einer einzigen politischen Gruppe im Parlament allein bewältigt werden. Ich war eine der Initiatoren der interfraktionellen Gruppe für Krebs und seltene Krankheiten. Zusammen mit Pascal Canfin [ein französischer Renew-Abgeordneter] habe ich außerdem die fraktionsübergreifende Gruppe für Investitionen und Finanzierung ins Leben gerufen. Erst letzte Woche haben wir die interfraktionelle Gruppe für Biotechnologie gegründet.

Alles, was ich in diesem Bereich tue, zeigt in dieselbe Richtung. Das ist Absicht, denn wir können uns nicht allein auf unsere eigenen politischen Gruppen verlassen.

Es ist interessant zu sehen, dass sich – sobald diese Themen aufkommen – Rechtsaußen, die EVP, Renew, fast immer die Grünen und die S&D-Fraktion zusammenkommen. Einfach, weil es Sinn ergibt.