EU-Abgeordnete: Gesundheit darf in Klimadebatte nicht außen vor bleiben

Die Debatte über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit sollte ausgeweitet werden, so die EU-Abgeordnete Sara Cerdas, da die Gesundheitskosten für die Gesellschaft unvorstellbar hoch sein werden, wenn wir nichts unternehmen.

EURACTIV.com
EP-129205D_Plenary_7_Health
Sara Cerdas auf einer Plenarsitzung des Europäischen Parlaments. [<a href="https://multimedia.europarl.europa.eu/en/photo/ep-plenary-session-commission-statement-mental-health_20220407_EP-129205D_STP_0043" target="_blank" rel="noopener">[EP/Philippe STIRNWEISS]</a>]

Die Debatte über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit sollte stärker geführt werden, so die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Sara Cerdas – sonst drohten hohe Gesundheitskosten.

Sara Cerdas ist eine sozialdemokratische EU-Abgeordnete und Mitglied des Gesundheitsausschusses und des Corona-Ausschusses des EU-Parlaments. Sie sprach mit EURACTIV-Gesundheitsreporterin Giedrė Peseckytė über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit und wie diese in der politischen Debatte behandelt werden sollten.

Wird auf EU-Ebene genügend über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit gesprochen?

Wir reden viel über das Klima und die Umwelt. Dabei vergessen wir jedoch manchmal, dass es sich auch um eine Gesundheitskrise handelt, denn der Klimawandel wird sich direkt und indirekt auf unsere Gesundheit auswirken.

Als Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gesundheit habe ich einen Workshop vorgeschlagen, den wir 2019 und 2020 zum Thema Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Gesundheit durchgeführt haben. Ich glaube jedoch nicht, dass wir seither nennenswerte Diskussionen darüber geführt haben.

Warum ist es wichtig, sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit zu befassen?

Der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht nur ein Kampf für unseren Planeten, sondern auch für unsere Gesundheit. Und das ist etwas, das mit Nachdruck in die Öffentlichkeit gebracht werden muss. Denn die Gesundheitskosten, die dieser Wandel verursachen wird, wenn wir nichts unternehmen, werden unvorstellbar sein. Allein durch die Luftverschmutzung sterben jedes Jahr sieben Millionen Menschen vorzeitig.

Sie haben die Luftverschmutzung erwähnt. Derzeit überarbeitet die EU-Kommission die EU-Luftqualitätsrichtlinie. Was sollte in dieser Richtlinie angegangen und hervorgehoben werden?

Ich bin sehr gespannt darauf, was die Kommission vorlegen wird. Sie wird sich vor allem mit Umweltfaktoren befassen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es nicht nur um den Planeten und unsere Umwelt geht, sondern auch um diejenigen, die in ihm leben: Menschen und Tiere.

Ich hoffe, dass diese Verordnung den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für die Luftqualität folgt und so progressiv wie möglich ist, wenn es um den Schutz unserer Umwelt und der Luft geht, die wir atmen. Und zwar nicht nur auf dem Lande, sondern auch und vor allem in städtischen Gebieten und Vorstädten.

Neue Standards für den CO2-Ausstoß von Kraftfahrzeugen dürften ebenfalls dazu beitragen, dass die Luft, die wir atmen, sauberer wird. 

Natürlich geht es nicht nur um die Luftqualitätsrichtlinie. Wir müssen die direkten und vor allem die indirekten Auswirkungen der verschiedenen Verordnungen und Richtlinien, die wir auf EU-Ebene aushandeln, auf unsere Gesundheit berücksichtigen.

Wenn wir uns mit Faktoren wie unserer Wirtschaft, Industrie, Technologie, Umwelt, dem Wasser, das wir trinken, und den Bedingungen am Arbeitsplatz befassen, wird sich all dies direkt und indirekt auf die Gesundheit auswirken. Was die neuen CO2-Standards für Autos betrifft, so sehe ich den Verhandlungen und ihrem Potenzial für weniger CO2-Emissionen in die Atmosphäre mit großer Erwartung entgegen.

Glauben Sie, dass es einfacher ist, die Gesundheit in den Mittelpunkt der politischen Diskussionen zu stellen, seitdem wir in den letzten Jahren mit der Pandemie konfrontiert wurden?

Eine der wichtigsten Lehren, die wir aus dieser Corona-Pandemie ziehen müssen, ist, dass die Gesundheit im Mittelpunkt der Gesellschaft steht und dass wir für einen Ansatz kämpfen sollten, der die Gesundheit in alle Politikbereiche einbezieht. Wenn die Gesundheit oder das Gesundheitswesen versagen, bricht alles andere zusammen. Und wir dürfen nicht zu den früheren Verhältnissen zurückkehren, als die Gesundheit in der EU-Politik eine untergeordnete Rolle spielte. Die Hauptbegründung dafür lautete: „Oh, die EU hat keine Gesundheitskompetenzen“, was falsch ist.

Die EU verfügt nicht über ein „ganzheitliches“ Konzept des Gesundheitswesens und der Gesundheitskompetenzen. Der Schutz der öffentlichen Gesundheit ist jedoch eine geteilte Zuständigkeit zwischen den Mitgliedstaaten und der Europäischen Union. Wir müssen die Zuständigkeiten weiterentwickeln und sie auf breiter Basis in allen verschiedenen Rechtsvorschriften verankern.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]