Ein Monat Euro: Wie verlief die Währungsumstellung in Kroatien?
In einem kurzen Interview mit EURACTIV sagt Goran Šaravanja, Chefökonom der kroatischen Wirtschaftskammer (HGK), dass viele Bürger:innen immer noch in Kuna zählen, sie sich aber an den Euro gewöhnen werden.
In einem kurzen Interview mit EURACTIV sagt Goran Šaravanja, Chefökonom der kroatischen Wirtschaftskammer (HGK), dass viele Bürger:innen immer noch in Kuna zählen, sie sich aber an den Euro gewöhnen werden. Das Jahr 2022 habe gezeigt, dass auch die Kuna Kroatien nicht vor der Inflation schützen konnte.
Kroatien hat seinen ersten Monat in der Eurozone „überstanden“, so Šaravanja.
„Obwohl wir den Euro praktisch von 2002 an verwendeten und in ihm gezählt haben, wurde die Einführung der europäischen Einheitswährung in Kroatien von vielen als Schock empfunden. Weiterhin müssen viele sich an die neuen Banknoten und Münzen und vor allem an die neuen Preise gewöhnen“, fügte der Chefökonom hinzu.
Neben Fragen bezüglich der Einführung des Euro fragten wir unseren Gesprächspartner Šaravanja in einem kurzen Interview nach der Inflation, sowie danach, ob mit einer möglichen Rezession zu rechnen sei.
Kroatien: ‚Wilde‘ Preiserhöhungen nach Euro-Einführung
Die kroatische Regierung wirft Händer:innen vor, die Einführung des Euros als Vorwand für Preiserhöhungen zu…
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EURACTIV: Es ist etwas mehr als ein Monat her, dass Kroatien den Euro eingeführt hat. Wie beurteilen Sie den Umstellungsprozess? Konnten sich die Kroat:innen bisher an die neue Währung gewöhnen?
Šaravanja: Ich denke, der Umstellungsprozess ist gut verlaufen. Die Zeit des doppelten Währungsverkehrs war kurz und mein Eindruck ist, dass alles gut gelaufen ist. Ich bin sicher, dass viele Bürger:innen die Preise weiterhin in die Kuna umrechnen, aber sie werden sich mit der Zeit sicher daran gewöhnen.
Die Bürger:innen beschweren sich jedoch über Preiserhöhungen, und auch die Regierung hat die Einzelhändler aufgefordert, Preise wieder auf den Stand vor dem Jahreswechsel und der Einführung des Euro zu bringen. Einige der Händler haben das getan, andere nicht. Wie kann man unter den Bedingungen ständig steigender Preise und unveränderter Löhne überleben?
Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass wir der Kuna nicht vor der Inflation geschützt sind, da wirtschaftliche und politische Faktoren aus dem Ausland einen erheblichen Einfluss hatten. Der Rückgang des verfügbaren Einkommens wird sich in diesem Jahr sicherlich in der Wachstumsrate niederschlagen. Es ist allerdings wichtig zu betonen, dass der allgemeine Mangel an Arbeitskräften in der EU und auch in Kroatien bedeutet, dass die Löhne mittel- und langfristig steigen werden.
Es ist interessant, dass die ersten Daten von Eurostat und dem kroatischen Statistikamt für Januar zeigen, dass trotz der Preissteigerungen eine niedrigere Inflation als im Dezember herrscht? Welche Waren und Dienstleistungen haben sich denn verteuert?
In der ersten Schätzung der Einzelhandelspreise für Januar wurden viele Details nicht veröffentlicht.
Wir wissen, dass auf Monatsbasis die Preise für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren um 1,3 Prozent gestiegen sind und die Preise für Dienstleistungen um 1,1 Prozent, während die Preise für industrielle Nicht-Nahrungsmittel um 2,1 Prozent und die Preise für Energie um ein Prozent gefallen sind. Wir werden alle Details am 23. Februar erhalten, wenn die endgültige Schätzung der Einzelhandelspreise für Januar veröffentlicht wird.
Was bringt der Euro für Kroatien in makroökonomischer Hinsicht?
Der Euro bringt uns die Beseitigung von Wechselkursrisiken, eine transparentere Gestaltung der Zinsen für Kredite und Einlagen und Zugang zu allen Instrumenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Anders als die CNB, als die Kuna noch die offizielle Währung war, ist die EZB nicht dazu gezwungen, den Wechselkurs zu verteidigen. Sie betreibt eine aktive Geldpolitik für Geschäftsleute und Bürger:innen.
Stehen wir vor einer Rezession?
Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, dass im Vergleich zu 2022, als das BIP-Wachstum sechs bis 6,5 Prozent betrug, eine deutliche Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität in diesem Jahr den Geschäftsleuten wie eine Rezession vorkommen wird.