Der „Unruhestifter“, der Brüssel zum Lachen bringt
Das untere und mittlere Management der Europäischen Kommission ist immer begeistert, wenn es um die Seite der DG MEME geht, sagte der Autor Fabio Mauri gegenüber EURACTIV Tschechien. Die oberste Führungsebene der Kommission bezeichnet ihn jedoch als Unruhestifter.
Ganz Brüssel lacht, wenn Fabio Mauri einen Beitrag postet. Denn der Italiener führt den Satire-Account DG MEME und witzelt frei und fröhlich über Dinge, die den meisten Europäern fremd sind. Doch auf höchster Ebene gilt er als „Unruhestifter.“
Fast 100.000 Menschen folgen dem Satire-Account DG MEME, der sich spaßeshalber als Unterabteilung der EU-Kommission ausgibt. Damit ist Mauri, von Beruf her Software-Ingenieur, deutlich beliebter als die meisten EU-Kommissare.
Seine Geschichte beginnt mit dem Brexit. „Ich habe bei Swarovski in Innsbruck, Österreich, gearbeitet, bevor ich mich entschied, ein Praktikum bei der Europäischen Kommission zu machen“, so Mauri im Interview mit EURACTIV.
„Nach dem Brexit war ich wirklich verärgert“, betonte der Italiener. Er befand, dass es die EU-Behörde versäumt hatte, die Vorteile der EU zu kommunizieren.
Seine brennende Frage: „Warum schaffen sie es nicht, auf einfache Weise zu erklären, warum es gut ist, in der Europäischen Union zu sein?“ Er kündigte seinen Job, zog nach Brüssel und begann sein schlecht bezahltes Praktikum im Herzen der EU.
Sein Frust ließ allerdings kaum nach. „Während ich dort arbeitete, wurde mir nach ein paar Wochen klar, dass es viele Probleme gab“, erklärt er. Also gründete er sein eigenes EU-Kommunikationsprojekt, um zu zeigen, dass „es möglich ist, über Europa zu sprechen und dabei lustig zu sein.“
Seitdem sind fünf Jahre vergangen, inzwischen treffen sich Botschafter mit Mauri, zuletzt der Österreicher Gregor Schusterschitz, um über Kommunikation mit ihm zu sprechen. „Es hat sich ziemlich schnell entwickelt, muss ich sagen“, gibt er zu.
Bildungsauftrag trotz Satire
Trotz alledem sieht sich der Satiriker, der über Wahlen in den EU-Staaten bis zu den Geschehnissen in der Brüsseler Blase twittert, einem Bildungsauftrag verpflichtet.
„Neben dem Spaß hoffe ich, dass die Leute merken, dass die DG MEME darauf abzielt, über Europa zu sprechen“, betont er.
Zwar werde das Thema „auf witzige Art und Weise eingeführt, aber das bedeutet nicht, dass es nur zum Spaß ist.“
Aber Spaß sei eben genau das, was DG MEME von den traditionellen EU-Medien unterscheide.
„Nichts gegen EURACTIV und Politico, das sind sehr nette Zeitungen und alles, aber sehr spezifisch; wenn man nicht in der EU-Blase ist, kennt man sie kaum“, so der Satiriker.
Normale Menschen, die nicht im Herzen der EU arbeiten, werden von den benannten Medien nicht abgeholt.
„Wenn Sie acht Stunden arbeiten und zu Ihren Kindern nach Hause kommen, haben Sie wahrscheinlich keine Zeit, um über EU-Politik zu lesen“, betonte Mauri.
Diese Menschen zu erreichen, sollte eigentlich die Priorität der eigenen Kommunikationsabteilung der EU-Kommission sein. In der Realität sieht die Kommunikation der EU oft anders aus.
„Wenn man das Thema lustig gestalten kann, ist es besser und interessanter, denn die Menschen haben leider keine Zeit mehr, lange Artikel zu lesen“, gibt er als Rat mit.
Dass Mauri nicht zu den altehrwürdigen Institutionen in Brüssel gehört, gerät ihm dabei oft zum Vorteil. Wenn ein EU-Beamter betont, dass „es Schmarotzer in jeder Regierungen, jedem Unternehmen gibt“, dann „glaubt man ihm natürlich nicht, denn er verteidigt seine Interessen.“
„Aber wenn es von einem jungen Menschen kommt, der nicht unbedingt mit der Kommission selbst zu tun hat, aber trotzdem Hoffnungen in die EU setzt, dann klingt das glaubwürdiger.“
Der Unruhestifter
In Brüssel gilt der Satiriker Mauri als „Unruhestifter.“ Manchmal versuchen zwar Beamte niederen Ranges den Satiriker einzuladen, diese werden von höherer Ebene allerdings schnell zurückgepfiffen.
„Seid ihr verrückt? Warum wollt ihr diesen Kerl einladen? Er ist ein Unruhestifter,“ heißt es dann auf Führungsebene laut Mauri.
„Die EU-Spitze toleriert meine Webseite, aber sie ist nicht unbedingt glücklich darüber, denke ich,“ fügte er hinzu. Trotzdem habe er keine Absichten, seine Seite zu löschen. „Ich betrachte DG MEME als meine Alternative zum Therapeuten.“
Statt Absurditäten, wie sie auch in der EU gerne vorkommen, wahrzunehmen und den Ärger in sich hineinzufressen, kann er so einen „Weg finden, die schlechten Nachrichten in etwas zu verwandeln, über das man wenigstens lachen kann.“
Im Gespräch mit Spitzenpolitiker:innen
Ein Höhepunkt für Mauri war allerdings ein Interview mit einer ganz besonderen Spitzenpolitikerin.
„Ich durfte auch ein Interview mit Margrethe Vestager, einer der mächtigsten EU-Kommissarinnen, führen. Sie sagte, sie schätze meine Arbeit sehr“, erzählt er.
Seine Art, auf satirische Weise zu kommunizieren, könnte auch deshalb irgendwann Einzug in der Kommission führen. „Ich würde denen gerne mit meinen Kommunikationsfähigkeiten helfen“, so Mauri.
Allerdings könnte es eine tiefergehende Reform der EU brauchen. „Die Kommission ist eine Art Regierung, aber sie hat nicht wirklich das Recht, ihre eigene Arbeit zu verteidigen, was lächerlich ist“, so der Italiener.
Zumindest brauche es ein Umdenken in der Art und Weise wie Brüssel mit den EU-Bürgern kommuniziert. „Das Gleiche gilt für den Brexit: Sie haben sich bewusst dafür entschieden, nicht dagegen zu kommunizieren, weil „das eine interne Angelegenheit des Vereinigten Königreichs ist.“
„Das ist so, als würde ich sagen, wenn meine Freundin mit mir Schluss machen will, dann ist das ihr eigenes Problem, ich muss nicht versuchen, ihr zu erklären, wie toll es ist, wenn wir zusammen sind.“
Aber wie so vieles in der EU könnte das noch länger dauern, schätzt er.
„Es wird viel Zeit brauchen, bis sich deren unterwürfige Art der Kommunikation ändert.“
Lesen Sie das tschechische Originalinterview hier.