De Silguy: ‚Euro ist nicht an verminderter Kaufkraft Schuld’ [DE]
„Die Ansicht, dass die verminderte Kaufkraft der Verbraucher ein Resultat des Euro sei, ist ein Mythos“, meinte der ehemalige EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung Yves-Thibault de Silguy in einem Interview mit EURACTIV Frankreich. Er glaube, dass die einheitliche Währung von den Bürgern und besonders von den Franzosen gut aufgenommen worden sei.
„Die Ansicht, dass die verminderte Kaufkraft der Verbraucher ein Resultat des Euro sei, ist ein Mythos“, meinte der ehemalige EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung Yves-Thibault de Silguy in einem Interview mit EURACTIV Frankreich. Er glaube, dass die einheitliche Währung von den Bürgern und besonders von den Franzosen gut aufgenommen worden sei.
De Silguy, der zur Zeit der Euroeinführung als EU-Kommissar arbeitete, beurteilte die Leistung des Euro auf den Märkten der EU-Mitgliedstaaten zehn Jahre nach seiner Einführung. De Silguy, der derzeit Geschäftsführer des Bauunternehmens Vinci ist, meint, dass die einheitliche Währung und die Europäische Zentralbank zu stabilen Wechselkursen in Europa beigetragen hätten.
Zehn Jahre nach seiner Einführung habe der Euro die gesteckten Ziele erreicht, glaubt der ehemalige Kommissar. Insbesondere habe er für das Funktionieren des Binnenmarktes gesorgt. Außerdem betont er, wie viel Sicherheit der Euro vor allem während der Krise habe bieten können. Er erinnert an die Peso-Krise in Mexiko im Jahr 1995, die zu einer plötzlichen Entwertung der stark schwankenden europäischen Währungen, darunter die italienische Lira und die spanischen Pesetas, geführt habe.
De Silguy glaubt, dass die Länder der Eurozone derzeit besser als die anderen EU-Mitgliedstaaten, die die einheitliche Währung nicht eingeführt haben, gegen die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise geschützt seien. Er fügt hinzu, dass ein im Vergleich zum Dollar starker Euro vorteilhaft für die europäische Wirtschaft sei. „Ich glaube überhaupt nicht, dass wir die Wechselkurse der Währungen steuern können“, gab er weiter an.
Mit Blick auf die Zukunft der Währung lehnt er eine Lockerung der Beitrittsregeln vehement ab. „Jeder muss die gleichen Beitrittskriterien erfüllen“, sagte er und betonte, dass die Lockerung der Regeln die Glaubwürdigkeit des Euro auf internationaler Ebene in Frage stellen könnte.
De Silguy spricht sich auch für den Stabilitäts- und Wachstumspakt aus, der seiner Meinung nach in Zukunft auch weiterhin von Nutzen sein wird. „Heutzutage ist das Problem, dass es Europa nicht gelingt, seine Defizite zu reduzieren“, erklärte er. „Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Annahme, regen öffentliche Haushaltsdefizite das Wachstum nicht an“, fügte er hinzu.
Der ehemalige EU-Politiker glaubt, dass die Mitgliedstaaten nun endlich damit begännen, die „Leitlinien für die Wirtschaftspolitik“, die beim Europäischen Rat im Frühling angenommen worden und wenige Monate später bei der Aufstellung der nationalen Haushalte in Vergessenheit geraten seien, zu berücksichtigen.
Um das vollständige Interview auf der Internetseite von EURACTIV Frankreich zu lesen, klicken Sie bitte hier.